Zum Geschäftsmodell der BayernLB

Seit vielen Jahren lese ich die FAZ und stütze meine Meinung häufig auf die von ihr vorgetragenen Fakten oder Ansichten.

Als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Bayern LB sehe ich mich aber mehr als arg enttäuscht in dem unten erwähnten Artikel von Herrn Peitsmeier.
Die Bayern LB hat mehrere, substantielle und funktionierende Bestandteile: die an die Sparkassen -wie von der EU Kommission mandatiert- zu verkaufende Bausparkasse, die Landesbodenanstalt, die Deutsche Kreditbank und in der Kernbank in München: ein profitables, klassisches Bankgeschäft mit grossen mittelständischen und börsengelisteten Unternehmen, den Sparkassen sowie der öffentlichen Hand. Sie  finanziert diese Unternehmen in nahezu all deren Bedürfnissen im Inland und begleitet das Exportgeschäft der Industrie ins Ausland. Wenn das nicht Dienst an der Realwirtschaft ist, was dann? Ist dies nicht das Kerngeschäft einer Bank?

Nicht zu verleugnen sind zwei Sorgenkinder: die nach langer Zeit höchst problematisch gewordene MKB in Ungarn sowie unter den Verbriefungen  das Portfolio ehemals eingegangener Engagements in amerikanische Hypothekendarlehen und CDO’s. Diese Probleme sind weitgehend bekannt und auch in der FAZ kenntnisreich erläutert worden. Das Problem toxischer Papiere ist in der Bilanz verarbeitet und muß nun über Jahre abgewickelt werden.

Über das unter staatlichen Eingriffen leidende Institut MKB in Ungarn wäre ein sachkundiger Artikel sicher der FAZ und ihrer Leser würdig.  Hier steht die BayernLB  zur Erläuterung dieser unerhörten Vorgänge enteignungsgleicher Eingriffe zur Verfügung.

Auch ich habe lange Zeit geglaubt, daß die Landesbanken kein Geschäftsmodell hätten, sehe aber nun bei genauer Betrachtung, daß diese Aussage so nicht stimmt.
Über 20% aller Unternehmensfinanzierungen in Deutschland wird dem Markt von den Landesbanken zur Verfügung gestellt. Kein Geschäftsmodell?

Wenn die Presse, auch die FAZ, diese Aussage aber gebetsmühlenartig wiederholt – im wesentlichen gestützt auf Geschäfte, die deswegen beklagte Vorstände und Verwaltungsräte in der Vergangenheit eingegangen sind – und die heute bestehende Realität nicht zur Kenntnis nehmen kann oder will, dann hat sie selbst ihrer Aufgabe noch(?) nicht genüge getan. Beispielhaft sei der Umstand erwähnt, dass das von der Bayrischen Regierung gezeichnete Eigenkapital an der Bayern LB in dem Artikel als Fremdkapital (Schuld) qualifiziert wird und nicht als das, was es ist: Eigenkapital, das der Eigentümer erst durch den Verkauf der Bank wieder zurückerhalten wird, bezeugt die Notwendigkeit vertiefter Recherche.

Dass die bayerische Landesregierung verstanden hat, dass eine Bank besser der Privatwirtschaft übereignet wird, ist lobenswert und einsichtig. Der Weg dorthin ist steinig und wird viele Herausforderungen überwinden müssen. Ich freue mich auf eine konstruktive Begleitung durch die FAZ.

Ohne Zukunft in Bayern, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.07.2012

Ohne Zukunft in Bayern Von Henning Peitsmeier Die Suche nach einem funktionie- renden Geschäftsmodell für die Bayerische Landesbank beschäftigt viele im Freistaat. Und das ist das Problem, denn zu viele sind auf der Suche. Der Vorstand um Bayern-LB- Chef Gerd Häusler, dessen alleinige Aufgabe dies sein sollte, muss sich pausenlos abstimmen mit EU-Bürokraten, Landespolitikern und Sparkassenvertretern. Sie alle haben divergierende Vorstellungen von einer Bayern LB 2.0.
EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia geht es um eine Halbierung der Bank, die im Herbst 2008 mit einem Zehn-Milliarden-Euro-Zuschuss von Bayerns Steuerzahlern vor dem Untergang bewahrt wurde. Darin sieht Almunia eine unerlaubte Beihilfe, die entsprechend geahndet werden müsse. Er will die bayerischen Sparkassen als Eigentümer nachträglich an den Kosten der Rettung beteiligen. Die Sparkassen nehmen ihre Eigentümerverantwortung zwar an, stellen aber Bedingungen. Die 72 Mitgliedsinstitute sehen die Bayern LB als eine Art Zentralbank für bestimmte Dienstleistungen wie den Bargeldverkehr; und sie verbieten ihr gleichzeitig, den Sparkassen Konkurrenz im lukrativen Geschäft mit dem Mittelstand zu machen. Der Landesregierung wiederum geht es einerseits um die Rückzahlung eines” möglichst großen Teils des Milliardenzuschusses. Andererseits hat CSU-Finanzminister Markus Söder schon eine genaue Vorstellung entwickelt, wie die Bayern LB als „Bank der Energiewende” künftig noch mehr Kredite für erneuerbare Energien herauslegt.
Das Modell einer Landesbank hatte sich früh überlebt. Das war in Bayern nicht anders als in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Zu weit entfernt hatten sich die „Anstalten öffentlichen Rechts” von ihrer Gründungsabsicht, in den Nachkriegsjahrzehnten den Zahlungsverkehr zwischen den kommunalen Sparkassen zu regeln. Zu oft wurden sie von Politikern als Instrument für Standortpolitik missbraucht. Und zu lang wurde die Liste der Sündenfälle, die aus dem Filz von Landesbank, Landesregierung und Sparkassen entstanden ist.
Im Freistaat sind mehrere dieser unsäglichen Skandale heute noch Gegenstand von Gerichtsprozessen. So hat die Bayern LB acht ehemalige Vorstände auf 200 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Der Verwaltungsrat wirft den früheren Managern vor, durch den Kauf der österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria im Sommer 2007 mehrere Milliarden Euro verbrannt zu haben. Schon diese Klage ist ein einmaliger Vorgang in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte. Noch unangenehmer als das wahrscheinliche Scheitern dieser Schadensersatzforderung dürfte für die heute Verantwortlichen in der Bayern LB die zu erwartende Urteilsbegründung sein. Bereits am ersten Verhandlungstag gab die Vorsitzende Richterin zu erkennen, dass die einst auserkorene Expansion der Bayern LB von der früheren CSU-Staatsregierung ausdrücklich gewünscht gewesen war. Die Banker hätten sich damals dem „politischen Willen” gebeugt, sagte sie.
Auch in einem weiteren, gerade zu Ende gegangenen Schmiergeldprozess zeigte sich die unheilvolle Wirkung politischer Einmischung: Es war nur eine Randbemerkung, aber sie sagte viel aus über das Geschäftsgebaren einer öffentlichen Bank. Eigentlich gestand Gerhard Gribkowsky, einst Risikovorstand der Bayern LB, dass er Noch immer fehlt der Bayern LB ein Geschäftsmodell. Am Ende könnte sie zerschlagen werden. vom Formel-l-Boss Bernie Ecclestone Bestechungsgeld angenommen hatte. Nebenbei führte er aus, wie die Bayern LB überhaupt an die Formel- 1 -Anteile gekommen ist, indem sie nämlich die bayerische New-Economy-Firma EM.TV finanzierte, die von keiner anderen Bank sonst noch Kredit bekommen hätte. Regionale Unternehmen in der Not zu finanzieren, so verstehen Landespolitiker den Geschäftszweck einer Landesbank. Das hat sich bis heute im Grundverständnis nicht geändert, wie Söders Idee von einer „Bank der Energiewende” in Bayern belegt.
In Zeiten des heraufziehenden Wahlkampfes wird es für die Bayern LB nicht einfacher werden. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellt den Wählern zwar einen baldigen Verkauf der ungeliebten Bank in Aussicht, sogar von einem Börsengang ist die Rede. Dabei übersieht er gern, dass die Bayern LB privaten Investoren eine Dividendenperspektive bieten müsste. Für diese Perspektive benötigte sie ein funktionierendes Geschäftsmodell. Und das kann kaum die riskante Finanzierung von jungen Unternehmen aus dem Sektor erneuerbare Energien sein.
Schon jetzt ist offensichtlich, dass die Bayern LB die operative Verbesserung in ihrem Kerngeschäft überwiegend dem Abbau der Risikovorsorge für faule Kredite zu verdanken hat. Sollte sich die konjunkturelle Lage in der zweiten Jahreshälfte verschlechtern, die Risikovorsorge also wieder steigen, wäre es mit den ordentlichen Zahlen schnell wieder vorbei.
Ohne eine klare Strategie, ohne die Aussicht auf lukrative Geschäfte wird die Bayern LB nicht in der Lage sein, ihre Schulden auch nur annähernd zurückzuzahlen. Am Ende könnte ihr das Schicksal der West LB drohen. Dann liefe auch bei der zweitgrößten deutschen Landesbank alles auf eine Zerschlagung hinaus.